Start zur SMM: NLA-Dreikampf Zürich/ Reichen-stein/Luzern – GM Caruana neu bei Winterthur – NLB-Aufsteiger Réti als Transferkrösus
In der am Sonntag, 14. Februar, beginnenden Schweizerischen Mannschafts-meisterschaft (SMM) spricht in der Nationalliga A viel für einen Dreikampf an der Spitze zwischen Titelverteidiger Zürich, Vizemeister Reichenstein und dem gleich sieben Transfers tätigenden Luzern. Die beiden Aufsteiger Bern und Tribschen werden es als klar schwächste Mannschaften schwer haben, sich oben zu behaupten. Erstmals seit vielen Jahren steigt Rekordmeister Zürich nicht als Nummer 1 ins Rennen. Nimmt man jeweils die zehn besten Spieler der Mannschaftslisten als Basis, dann weisen die Zürcher im Durchschnitt einen ELO-Punkt weniger auf als Reichenstein, der Meister des Jahres 2006. Das liegt in erster Linie daran, dass Zürich den Abgang von GM Florian Jenni (wechselte zum NLB-Aufsteiger und Stadtrivalen Réti) nicht kompensierte, während Reichenstein die Saison in unveränderter Formation in Angriff nimmt. Mit Christian Bauer, Yannick Pelletier, Viktor Kortschnoi, Lothar Vogt und Lucas Brunner haben die Zürcher jedoch immer noch fünf Grossmeister in ihrem Kader – so viele wie keiner der neun Ligakonkurrenten. Sieben Wechsel bei Luzern Mit nur vier ELO-Punkten pro Spieler weniger als das topgesetzte Reichenstein ist auch Luzern ein heisser Meisterkandidat. Die Innerschweizer, deren bisher einziger Titelgewinn 19 Jahre zurückliegt, waren auf dem Transfermarkt überaus aktiv. Für die drei in der kommenden Saison in der Nationalliga B spielenden Internationalen Meister Severin Papa (zu Réti), Valery Atlas (zu Engadin) und Giulio Borgo (zu Mendrisio) holten sie die beiden Grossmeister Andrei Istratescu (von Mendrisio) und Romain Edouard (Frankreich), den nach vielen Jahren ein SMM-Comeback gebenden österreichischen IM Georg Danner und das 18½-jährige Jungtalent Roger Gloor (vom Erstligisten Lenzburg). Allerdings ist der 19-jährige Romain Edouard, der noch nie in der Schweiz gespielt hat, neben dem bisherigen Luzern-Ausländer Rustem Dautow erst spielberechtigt, wenn er den beabsichtigten Domizilwechsel zu seinem in die Grenzgängerzone wohnenden Trainer Andrei Istratescu offiziell vollzogen hat. Würde Romain Edouard bereits jetzt in die Berechnung des Spielerdurchschnitts mit einbezogen, wäre Luzern gar die Nummer 1. Doch auch ohne den jungen Franzosen können sich die Luzerner berechtigte Hoffnungen machen, Titelverteidiger Zürich gleich im Knüller der Startrunde ein Bein zu stellen. Neun Monate später organisieren sie dann die NLA-Doppelschlussrunde und könnten vor eigenem Publikum zum zweiten Mal den Pokal zu holen. Winterthur hat den stärksten Spieler Stärkster NLA-Spieler in der neuen Saison ist Winterthurs Neuverpflichtung Fabiano Caruana, seines Zeichens die Nummer 51 der Weltrangliste und Nummer 1 in Italien. Mit dem 17½-jährigen Grossmeister, der seit kurzem in Lugano wohnt und damit nicht unter das Ausländer-Kontingent fällt, wollen die als Nummer 4 startenden Winterthurer das seit Jahren drohende Abstiegsgespenst verscheuchen und einen vorderen Mittelfeldplatz anvisieren. Die gleiche Zielsetzung dürften auch der überraschende Vorjahresdritte Riehen, Joueur Lausanne (wo die seit einigen Monaten über einen Schweizer Pass verfügende GM Alexandra Kosteniuk neuerdings die Nummer 1 ist), Wollishofen und Genf – deren Kader sich, wenn überhaupt, nur geringfügig veränderten – haben. Mit dem Abstieg werden sie wohl alle nichts zu tun haben, da die beiden Aufsteiger Bern und Tribschen mit deutlichem Abstand auf die Konkurrenz die schwächsten Teams sind. Bern als Neunter des NLA-Rankings, der FM Christian Flückiger von Riehen zurückholte, weist pro Brett nahezu 100 ELO-Punkte weniger auf als das vor ihm liegende Wollishofen. Und Tribschen steigt trotz des Zuzugs des deutschen Grossmeisters Falko Bindrich (19) als abgeschlagene Nummer 10 in die Saison. Ohne Bindrich lägen die Luzerner gar rund 100 ELO hinter Bern. NLB: Réti neu mit GM Milov, GM Jenni und IM Papa Klarster Favorit für den Aufstieg in die Nationalliga A ist Neuling Réti Zürich. Die aus der 1. Liga kommenden Zürcher verzeichneten die spektakulärsten Transfers der gesamten Nationalliga. Sie holten gleich drei Topspieler: den in der Schweiz lebenden GM Vadim Milov (Nummer 96 der Weltrangliste/spielte zuletzt 2008 vier NLA-Partien für Schwarz-Weiss Bern), den zweifachen Schweizer Meister GM Florian Jenni (Nummer 3 der Schweiz/von Zürich) und IM Severin Papa (Nummer 11 der Schweiz/von Luzern). Wie stark der Aufsteiger besetzt ist, zeigt ein Vergleich: Rétis Nummer 6 (Thomas Pähtz/2355 ELO) ist stärker als die Nummern 2 der beiden NLA-Aufsteiger Bern (FM Christian Flückiger/2326) und Tribschen (Jürgen Strauss/2284). Damit liefert Réti eine klare Kampfansage an Mendrisio, dessen erklärtes Saisonziel der sofortige Wiederaufstieg ist. Die zwei Jahre nach ihrem ersten Titelgewinn unglücklich abgestiegenen Tessiner engagierten an Stelle der beiden Grossmeister Andrei Istratescu (zu Luzern) und Igor Glek (spielt nicht mehr in der Schweiz) mit dem französischen GM Laurent Fressinet (Nummer 55 der Weltrangliste und Nummer 3 in Frankreich) ebenfalls einen Weltklassespieler. Ansonsten vertraut Mendrisio auf den gleichen ausgeglichenen Kader wie im Vorjahr. Da wird es Mitabsteiger Bodan Kreuzlingen trotz des Neuzugangs von IM Alfred Weindl (von Reichenstein II/NLB) und trotz seiner Routine voraussichtlich schwer haben, in den Aufstiegskampf einzugreifen. Die NLB-Westgruppe ist – zumindest an der Spitze – deutlich schwächer und sieht keine ELO-Koryphäen im Stil der Ostgruppe am Start. Den Aufstieg werden wohl der frühere A-Ligist Schwarz-Weiss Bern, Echallens, Solothurn und Trubschachen unter sich ausmachen. Insgesamt spielen 2010 in der SMM 370 Mannschaften – zwölf weniger als im Vorjahr. Die 10 NLA-Klubs und ihre 10 Top-Spieler Zürich (Vorjahresklassierung: 1.): GM Christian Bauer 2621 ELO, GM Yannick Pelletier 2602, GM Viktor Kortschnoi 2588, IM Werner Hug 2469, GM Lothar Vogt 2460, GM Lucas Brunner 2424, FM Jörg Grünenwald 2337, FM Marcel Hug 2322, FM Filip Goldstern 2321, FM Norbert Friedrich 2319. Abgänge: GM Florian Jenni (zu Réti Zürich/NLB). ELO-Schnitt: 2446 (Nr. 2 in der Nationalliga A). Reichenstein (2.): GM Andrei Sokolow 2582, IM Jean-Noël Riff 2484, GM Vlastimil Hort 2463, IM Karsten Volke 2452, IM Andreas Heimann 2442, IM Lorenz Drabke 2431, Dennis Eschbach 2420, IM Peter Kühn 2412, IM Heinz Wirthensohn 2398, IM Christian Maier 2382. ELO-Schnitt: 2447 (Nr. 1). Riehen (3.): GM Jörg Hickl 2610, GM Ognjen Cvitan 2518, IM Roland Ekström 2502, FM Ralph Buss 2407, IM Oliver Brendel 2359, IM Hansjürg Kaenel 2340, FM Matthias Rüfenacht 2334, FM Clemens Werner 2311, Welf Aumann 2309, IM Bela Toth 2307. Abgänge: FM Christian Flückiger (zu Bern). ELO-Schnitt: 2400 (Nr. 5). Luzern (4.): GM Robert Hübner 2616, GM Andrei Istratescu 2615, GM Romain Edouard 2608, GM Rustem Dautow 2601, IM Beat Züger 2461, IM Oliver Kurmann 2453, IM Georg Danner 2450, FM Enrique Almada 2345, FM Roland Lötscher 2339, Roger Gloor 2297, (Markus Räber 2248). – Vom Ausländer-Duo Edouard/Dautow ist vorläufig nur einer spielberechtigt (Eduoard liebäugelt mit einem Wohnsitzwechsel in die Grenzgängerzone und wäre in diesem Fall den Schweizer Spielern gleichgestellt). Zuzüge: GM Andrei Istratescu (von Mendrisio), GM Romain Edouard (Frankreich/spielte bisher nicht in der Schweiz), IM Georg Danner (Österreich/spielte bis früher bei Rössli Reinach/BL), Roger Gloor (von Lenzburg/1. Liga). ELO-Schnitt (ohne Romain Edouard): 2443 (Nr. 3). Abgänge: IM Severin Papa (zu Réti Zürich/NLB), IM Valery Atlas (zu Engadin/NLB), IM Giulio Borgo (zu Mendrisio). Wollishofen (5.): GM Michael Prusikin 2559, IM Olivier Moor 2416, IM Rico Zenklusen 2389, IM Michael Hochstrasser 2385, IM Julien Carron 2359, IM Roger Moor 2356, FM Felix Hindermann 2340, Marco Gähler 2327, FM Martin Fierz 2323, Andreas Umbach 2317. ELO-Schnitt: 2377 (Nr. 8). Joueur Lausanne (6.): GM Alexandra Kosteniuk 2523, GM Alexei Tschernuschewitsch 2510, GM Anthony Kosten 2509, GM Joe Gallagher 2495, IM Guillaume Sermier 2424, IM Jean Netzer 2375, IM Charles Lamoureux 2345, FM Petri Lehtivaara 2337, IM Alexandre Domont 2322, FM Denis Bucher 2311, (Vlad Serban 2230). – Vom Ausländer-Duo Tschernuschewitsch/Kosten ist nur einer spielberechtigt. Zuzüge: IM Alexandre Domont (von Biel/NLB). Abgänge: FM David Burnier (zu Vevey/1. Liga). ELO-Schnitt (ohne Kosten): 2387 (Nr. 7). Winterthur (7.): GM Fabiano Caruana 2675, GM Artur Jussupow 2611, IM Richard Forster 2430, FM Walter Bichsel 2371, IM Martin Ballmann 2369, FM Oliver Sutter 2366, Guido Schleicher 2327, FM Emanuel Schiendorfer 2322, FM Peter Szakolczai 2301, FM Urs Rüetschi 2297. Zuzüge: GM Fabiano Caruana (Italien/spielte bisher nicht in der Schweiz, wo er seit kurzem Wohnsitz hat), Guido Schleicher (spielte bisher nicht in der Schweiz). ELO-Schnitt: 2407 (Nr. 4). Genf (8.): GM Igor Khenkin 2590, GM Olivier Renet 2522, GM Gilles Mirallès 2464, FM François Fargère 2432, IM Claude Landenbergue 2409, IM Richard Gerber 2358, IM Alexandre Vuilleumier 2352, IM Emmanuel Preissmann 2303, Nicolas Duport 2247, Vladimir Kovacevic 2209. Zuzüge: GM Igor Khenkin (Deutschland/spielte bisher nicht in der Schweiz), IM Emmanuel Preissmann (spielte während mehrerer Jahre nicht mehr in der SMM). Abgänge: GM Sébastien Mazé (Frankreich/spielt nicht mehr in der Schweiz), Flavio Pérez (Frankreich/spielt nicht mehr in der Schweiz). ELO-Schnitt: 2389 (Nr. 6). Bern (Aufsteiger): IM Giancarlo Franzoni 2445, FM Christian Flückiger 2326, IM André Lombard 2319, Anvar Turdyev 2304, FM Andreas Lehmann 2302, FM Marco Lehmann 2292, FM Beat Neuenschwander 2249, FM Jonathan Gast 2204, Lukas Kulczyk 2194, Stéphane Kellenberger 2169.                                                Zuzüge: FM Christian Flückiger (von Riehen). ELO-Schnitt: 2280 (Nr. 9). Tribschen (Aufsteiger): GM Falko Bindrich 2512, Jürgen Strauss 2284, Bruno Nideröst 2271, Werner Kaufmann 2242, Daniel Lustenberger 2240, Kevin Cremer 2175, Albert Gabersek 2140, Lukas Fischer 2134, Raphael Rölli 2098, Rambert Bellmann 2090. Zuzüge: GM Falko Bindrich (Deutschland/spielte bisher nicht in der Schweiz). ELO-Schnitt: 2219 (Nr. 10).
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